Als Guillermo Martínez noch klein war, träumte er davon sein eigenes Spielzeug herstellen zu können. Viele Jahre später hat der 3D-Druck Einzug in unseren Alltag erhalten und der Traum des kleinen Jungen wurde war: Guillermo konnte mithilfe eines 3D-Druckers seine eigenen Figuren anfertigen.

Doch der 24-Jährige Wirtschaftsingenieur aus Madrid wurde es bald leid „Dinge einfach nur in das Regal zu stellen“ und wollte mehr. So kam ihm die Idee Prothesen zu drucken. „Ich suchte nach vorgefertigten Prothesen im Internet und versuchte diese nachzudrucken. Nach und nach habe ich einige davon hergestellt. Ich habe einige Dinge eingebaut, um sie zu verbessern und hatte am Ende vier oder fünf von ihnen zu Hause.” 

Um Menschen zu unterstützen, die körperlich eingeschränkt waren und nicht die benötigten finanziellen Mittel besaßen, brachte er mit der Witbox 2 hergestellte Prothesen nach Kenia. In Entwicklungsregionen werden Prothesen aus Gips hergestellt. Diese haben jedoch keine lange Lebensdauer und wenn sie dreckig oder nass sind, werden sie zu Nestern von Bakterien. Kenia ist ein Land, das von dieser Situation besonders betroffen ist. Dort wurde die Hälfte der Patienten in Operationssälen verletzt.

Guillermo bereitete eine Reise zum Bamba Project Waisenhaus in Rift Valley in Kenia vor und kontaktierte die Freiwilligen vor Ort, damit sie nach Leuten suchen konnten, die Prothesen benötigten. Sie sendeten ihm Fotos, mit denen er die Prothesen nach Maß anfertigen konnte. Im Sommer 2017 nahm er sie schließlich in Einzelteile zerlegt in seinem Koffer mit nach Kenia. Er wollte die Teile zusammensetzen, wenn er sein Ziel erreicht hatte. Der Mechanismus ist sehr einfach: Wird der Arm in die Prothese aus PLA eingesetzt, wird das Schnürsystem aktiviert und die Hand öffnet und schließt sich, sodass die Person jeden Gegenstand halten kann.

“Die Ersten, die mich besuchten, waren ein Mann und eine Frau, denen ich alles auf Englisch erklärte, aber ich konnte sehen, dass sie nicht viel davon verstanden. Der Leiter des Waisenhauses begann zu übersetzen und alles lief sehr gut. Sie waren beide sehr nett und ich versuchte ihnen zu erklären, wie es funktioniert und wie sie es benutzen können…Sie waren sehr dankbar”.

Eine der Prothesen seines Projekts, die besonders bemerkenswert ist, ist die, die er nur für Robert geschaffen hat. Einen Kenianer, dem sein kompletter rechter Arm von der Schulter an fehlte. Er ist bahnbrechend, denn im Gegensatz zu anderen wird sie über den Ellenbogen gelegt. Die Prothese ist auch komplexer als die üblichen, da ein Brustgurt erforderlich ist. “Das neue Design war das teuerste Element des Prozesses. Es basierte auf Trial-and-Error, weil der Drucker klein war und nicht alles hineinpassen würde, also musste ich viele Einzelteile erstellen. Ich habe mich dabei von alten Prothesen inspirieren lassen”, erklärt Guillermo, der daran arbeiten musste, die Prothese an den Besitzer anzupassen: “Als ich sie zum ersten Mal montierte, war es sehr schwierig. Ich hatte es an mir selbst ausprobiert und es funktionierte, aber ich hatte meine eigene Kraft nicht berücksichtigt, während er zehn Jahre Muskelschwäche hatte. Endlich ging es los und es funktionierte großartig. Es war nur eine Frage des Trainings”.

Guillermos Prothesen erleichtern den Alltag der Menschen enorm. Eine der Personen, die vor neun Monaten eine Prothese erhielt, kann jetzt eine Nähmaschine benutzen und das Land pflügen. Und ein weiterer Fall, den Guillermo besonders gern in Erinnerung hält, ist der von Phillipe, einem Sekundarschullehrer, der Guillermos Mutter einen berührenden Dankesbrief schickte:

Mutter von Guille, ich bin sehr dankbar für das Geschenk, das Guillermo mir gemacht hat. 44 Jahre lang, seit meiner Geburt, habe ich nie beide Hände benutzt. Es ist großartig, eine solche Unterstützung in Kenia zu haben, denn es ist sehr schwierig etwas Vergleichbares hier zu bekommen. Ich habe es über die Politik versucht, aber niemand hat mir geholfen. Es ist eine große Geste und ich bin sehr stolz auf diesen Mann, der es so toll gemacht hat. Der Herr segne Sie und möge Ihnen viele Türen öffnen, weil er es auch für mich getan hat. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich jetzt sogar Fahrstunden nehmen kann.

Von dem ersten Prothesen nach Ayúdame3D

Guillermos Erfahrung in Kenia ließ ihn erkennen, dass alles womit er begonnen hatte, hier nicht einfach so enden konnte. So schuf er ein Projekt namens Ayúdame3D, mit dem Ziel, Spenden zu sammeln und weiterhin Prothesen anfertigen zu können. Von seinem Schlafzimmer aus, seiner eigenen kleinen „Werkstatt“, bis überall auf der Welt, wie Cape Verde oder Sevilla.

„Das Endziel meines – wenn auch langfristigen – Projekts ist es, einen 3D-Drucker nach Kenia mitnehmen zu können. Wenn man hier ist, erkennt man verschiedene Dinge: einerseits funktioniert der Strom nicht besonders gut andererseits ist es aber auch die Verantwortung im Umgang mit solchen Geräten. Wenn ich für ein Jahr hierbleiben würde, könnte ich das Team, welches das Waisenhaus leitet, unterrichten, aber innerhalb von 15 Tagen macht es keinen Sinn. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass nur ein langfristiges Engagement hier in Kenia helfen kann”, sagt Guillermo.

Er hat sogar an einer großen Initiative gearbeitet, die viral ging: Mithilfe seines 3D-Druckers hat er eine Spiderman Box kreiert, um den Chemotherapie-Spender eines kleinen Jungen zu verstecken, der unter Leukämie leidet. Indem er diesen mit dem Logo seines Lieblingshelden zu einer Box mit „einer geheime Formal zur Stärkung” verändert hat.

Wenn etwas kompliziert erscheint, vereinfacht es Guillermo, um zu zeigen, dass es nur um den Willen geht, es zu machen: „Ich habe die Technologie, ich kann es machen und das ist wirklich cool. Mit einem Mechanismus aus Schnur, Gummi und Kunststoff kannst du das Leben von jemandem verändern. Alles, was du tun musst, ist, deinen Verstand darauf zu richten”.